ABB auf der SPS IPC Drives 2016

Jeder sechste Mittelständler beschäftigt Flüchtlinge.

Trotz wirtschaftlicher und politischer Turbulenzen innerhalb und außerhalb Europas: Die Geschäfte im deutschen Mittelstand laufen so gut wie seit Jahren nicht. Mehr als jeder zweite Mittelständler (59 Prozent) ist derzeit uneingeschränkt zufrieden mit der Geschäftslage – das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2004, als die Studie erstmals durchgeführt wurde. Auch der Ausblick ist optimistisch: 38 Prozent erwarten, dass sich die eigene Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten verbessert, nur sieben Prozent rechnen mit sinkenden Umsätzen.

Fachkräftemangel kostet 50 Milliarden an Umsatzeinbußen.

Doch vor allem der Fachkräftemangel trübt die Stimmung: 78 Prozent der Unternehmen geben an, dass es ihnen schwer falle, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden – vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 69 Prozent, Anfang 2015 bei 67 Prozent. Besonders zwei deutsche Vorzeigebranchen – der Kraftfahrzeugbau und die Elektrotechnik – berichten von Problemen bei der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter: In diesen Branchen fällt es 89 bzw. 84 Prozent der Unternehmen schwer, offene Stellen adäquat zu besetzen. Zudem wird der Fachkräftemangel von den mittelständischen Unternehmen derzeit als das größte Risiko für das eigene Unternehmen gesehen – noch vor einer möglichen Konjunkturabschwächung, Hackerangriffen oder zunehmenden geopolitischen Spannungen.

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften macht sich bereits ganz konkret in den Büchern der Unternehmen bemerkbar: Gut jeder zweite Mittelständler (53 Prozent; Vorjahr: 49 Prozent) beklagt, dass er Aufträge nicht annehmen kann, weil ihm geeignete Fachkräfte fehlen – jeder neunte beklagt sogar erhebliche Umsatzausfälle von mehr als fünf Prozent. Insgesamt dürfte sich der Schaden, der dem deutschen Mittelstand durch derartige entgangene Umsätze entsteht, nach EY-Berechnung auf jährlich gut 49 Milliarden Euro belaufen.

Grundsätzlich ist dabei die Bereitschaft, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, so hoch wie seit Jahren nicht: 33 Prozent der Mittelständler planen, die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland zu erhöhen – der höchste Wert seit zehn Jahren.

Das sind Ergebnisse des Mittelstandsbarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für das 3.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt wurden.

„Der deutsche Mittelstand macht derzeit beste Geschäfte – trotz der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Großwetterlage“, kommentiert Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY in Deutschland, die Umfrageergebnisse. „Dabei profitieren die Unternehmen vor allem von der Konsumlaune der Verbraucher, aber auch von der steigenden Nachfrage aus dem europäischen Ausland. Allerdings geraten die Unternehmen zunehmend an Grenzen – denn ihnen fehlt das Personal, um weiter zu wachsen.“

„Viele Unternehmen suchen händeringend nach hoch qualifizierten Mitarbeitern“, ergänzt Peter Englisch, Partner bei EY. „In manchen Regionen ist der Arbeitsmarkt leer gefegt. Größere Unternehmen suchen daher zunehmend im Ausland nach Mitarbeitern oder bauen entsprechende Funktionen außerhalb Deutschlands aus.“