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Digitalisierung an Flughäfen bietet nicht nur Chancen für die Betreiber.

Claudia Russo – Head of Regional Marketing & Communications Germany und Switzerland München Office, Zentraleuropa.

Insbesondere im lukrativen Handels- und Parkhausgeschäft drohen Umsatzverluste in Milliardenhöhe.

Die Digitalisierung eröffnet internationalen Flughafenbetreibern viele neue Geschäftschancen, bringt jedoch auch einige Risiken mit sich. Denn durch neue Marktteilnehmer und innovative Angebote drohen den Flughäfen auch deutliche Umsatzverluste – voraussichtlich zwischen 2,5 und 5 Milliarden Dollar in den kommenden 5 Jahren, sollten Flughafenbetreiber nicht entsprechend handeln. Dies entspricht einem Anteil von 3 bis 6 Prozent des operativen Betriebsergebnisses, so die aktuelle Roland Berger-Studie „Rise to the Challenge“ über Chancen und Risiken der Digitalisierung für Flughäfen.

„Neue Angebote wie Parkplatzbuchung, Car Sharing oder die Möglichkeit, den Transport von weiter entfernten Parkplätzen zum Terminal online zu buchen, schaffen sicherlich neue Erlösquellen“, erklärt Martin Streichfuss, Partner von Roland Berger. „Doch es ist keineswegs sicher, dass die entsprechenden Erlöse auch bei den Flughäfen landen. Denn weitere Marktakteure könnten von der Digitalisierung profitieren.“

Wettbewerb durch Drittanbieter nimmt zu.

Digitale Technologien ermöglichen heute schnellere und effizientere Prozesse in den Flughäfen: vom Check-in über den Sicherheitscheck bis hin zur Gepäckaufgabe. Dadurch verbessert die Digitalisierung vieler Prozesse den Reisekomfort und spart Zeit. Andererseits führt die Digitalisierung zu Einnahmeausfällen: „Verbringen Passagiere künftig deutlich weniger Zeit am Flughafen, so haben sie auch weniger Gelegenheit, die dort angebotenen Waren zu kaufen oder Dienstleistungen zu nutzen“, sagt Roland Berger-Experte Kai-Marcus Peschl.

Digitalisierung sollte zur Chefsache erklärt werden!

Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerb der Online-Player: Vor allem in nicht-luftfahrgebundenen Bereichen wie dem Reiseeinzelhandel, im Duty free-Geschäft und im Parking-Bereich droht den Flughäfen künftig ein härterer Konkurrenzkampf. Die Angebote vermehren sich rasant: Durch Duty free-Shops an Bord und Online-Plattformen, über die Kunden Produkte bestellen und nach Rückkehr entgegennehmen können, ergattern vor allem die Fluggesellschaften immer größere Marktanteile. Einige Airlines bieten auch über die Bildschirme am Sitz Zugang zu ihren Shopping-Portalen, sodass die Passagiere sogar während der Fluges online einkaufen können.

Auch beim Parken wird die digitale Revolution zu deutlichen Umsatzausfällen führen. „Derzeit stammen rund 20 Prozent der nicht-luftfahrtgebundenen Einnahmen von Flughäfen aus dem Parkgeschäft“, erklärt Martin Streichfuss. „Innovative Mobilitätslösungen wie etwa Mitfahrgelegenheiten oder autonom fahrende Autos als Zubringer werden das Parkgeschäft stark verändern.“